In den letzten Tagen wurden wir mehrfach nach einem Artikel von 2018 zu der Fundplatzkombination Klinkerwrack/Bollwerk vor Hohe Düne gefragt. Wir bedanken uns für das Interesse und stellen diesen hier nochmals zur Verfügung. Der Ostsee-Anzeiger übernahm, bis auf wenige, den Inhalt nicht betreffende Änderungen, den Text unserer Pressemitteilung vom 18.12.2018. Es handelt sich um einen Auszug der Erkenntnisse zum Ende des Jahres 2018. Wir hoffen, dass wir den aktuellen Stand der Untersuchungen zu Hafen- und Küstenschutzanlagen vor Hohe Düne in den kommenden Monaten zusammenfassend veröffentlichen können.

      Link zum Artikel

 

 

Eine erfolgreiche Projektwoche ging gestern zu Ende. Wir konnten vor Warnemünde mehrere neue Trümmerfelder von genieteten Eisenschiffswracks entdecken und untersuchen. In der Nähe fanden wir auch diesen 4 Meter langen Stockanker mit einem Flunkenabstand von 2,8 m.
 
FB1   
 
                   FB2
  
Vielen Dank für die Unterstützung: Jugendschiff Likedeeler, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Landesamt für Kultur und Denkmalpflege

c GfS SAS

 

Derzeit findet das 20. Schiffsarchäologische Seminar der Gesellschaft für Schiffsarchäologie e.V. statt. 10 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet und Österreich nehmen an der durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur geförderten Veranstaltung teil. Dabei erhalten sie Einblicke in archäologische und denkmalpflegerische Abläufe, lernen Bodendenkmale als schützenswerte, fragile aber auch aussagekräftige Zeitzeugen kennen. Dozent und Vereinsmitglied Henrik Pohl führt während informativer Vorlesungen durch Module wie Denkmalrecht, Methoden archäologischer Untersuchungen oder Forschungen zu historischen Hafenanlagen im Ostseeraum. Wenn es um die Vermessungsmethoden unter Wasser und die Schiffbaugeschichte geht, wird es für die Teilnehmer besonders spannend. „Unser Ziel ist es, die Teilnehmer zu befähigen ein Denkmal auch unter Wasser als solches zu erkennen, es mit größter Vorsicht zu behandeln und Daten abzulesen, die eine fachgerechte Meldung des Fundes an die zuständigen Behörden zulassen“ sagt Unterwasserarchäologe Pohl. Deshalb arbeiten die Veranstalter auch eng mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege (LAKD) zusammen, das Seminar ist durch das Amt als Weiterbildung für Ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger in Mecklenburg-Vorpommern anerkannt. Die erlernten Kenntnisse werden an Bodendenkmalen in der Ostsee angewendet. Erste Messübungen absolvierten die Taucher an Befestigungsanlagen aus dem 16. Jahrhundert. Neu im Programm ist ein Schiffswrack nahe Kühlungsborn. Den bis dato unbekannten Fundplatz entdeckte der Verein bei Kopterflügen in diesem Frühjahr. Veranstalter und Teilnehmer sind begeistert. „Im Rahmen der Vereinsarbeit konnte das neue Wrack noch nicht intensiver untersucht werden“, so Martin Siegel, Vorsitzender der Gesellschaft für Schiffsarchäologie e.V. „Also erarbeiteten die Teilnehmer während der Praxisausbildung erste Erkenntnisse zu einem neuen maritimen Bodendenkmal. Die Auswertung der erhobenen Daten läuft und die Ergebnisse werden anschließend dem LAKD übergeben“. Es müsse sich um ein Eisenschiff von sicher 40 m Länge gehandelt haben, Konstruktionsmerkmale wie genietete Bordwände sprechen für einen Bau vor etwa 100 Jahren. Für Ursache und Zeit der Havarie konnten keine Anhaltspunkte gefunden werden. Die Lage im Flachwasser östlich von Kühlungsborn spricht allerdings dafür, dass das Schiff auf Grund gelaufen oder gesetzt und zum Teil abgewrackt wurde. Da das Wrack vor dem Zerfall aus dem Wasser geragt haben muss, erhoffen sich Pohl und Siegel, dass Zeitzeugen oder Archivalien nähere Informationen zum Schiff und seinen Untergang liefern können. „Für die Teilnehmer und uns wären weitere Hinweise zum Fundplatz ein krönender Abschluss für das 20. Seminarjubiläum. Die tolle, fröhliche aber auch akribische Teamarbeit fände so ihre verdiente Würdigung“, hofft Siegel und freut sich über Mithilfe aus der Bevölkerung.

 

cMartinSiegel SAS2020 1

 

cMartinSiegel SAS2020 3

 

 

Das Schiffswrack bei Kühlungsborn ist nicht der einzige Neufund in diesem Jahr. Der Tauchsportclub Warnemünde hat den GfS e.V. kürzlich über ein Trümmerfeld in der Warnemünder Bucht informiert. Verein und LAKD freuen sich über dieses umsichtige Vorgehen. Vor Markgrafenheide wurde 2020 ein weiteres Trümmerfeld entdeckt und untersucht. Auch hierbei handelt es sich um ein Eisenschiff mit Maschinenantrieb. An Bord dokumentierte Fliesen scheinen ihren Urspung in Boizenburg zu haben. Mitarbeiter der noch bestehenden Fliesenwerke versuchen gerade zu unterstützen, indem sie über die Betriebsarchive Herstellungszeiträume und vielleicht sogar Informationen zu Empfängern beisteuern können.

 

cMartinSiegel SAS2020 2